Einer der herausragendsten Skandale betraf die Insolvenz von Ginko Financial im August 2007. Ginko (gegründet von einem User mit dem Alias “Portercarrero”, hinter dem sich vermutlich ein gewisser Andre Sanchez aus Sao Paulo verbirgt), die zunächst von Linden Labs-Gründer Philip Rosedale über den grünen Klee gelobt wurden, boten zunächst eine Zinsrate von satten 100 Prozent (soviel zum Thema unrealistisch hohe Zinsen). Diese sank bereits kurze Zeit später auf 44 Prozent, mit einer Grenze für die tägliche Verfügbarkeit eines Betrages von rund 19 US-Dollar. Nachdem Portercarrero in einem Interview von dem Rechtsanwalt Benjamin Duranske festgenagelt wurde, mußte er eingestehen, daß das Geld seiner “Kunden” nicht gedeckt sei. Nach dieser Meldung wurde die Community der Geschädigten in SL aktiv, aber es war bereits zu spät: das Geld, immerhin rund 750.000 US-Dollar, war weg. Portercarrero hatte Ginko umfirmiert und zahlt nun nur noch Cents an die Geschädigten aus. Diese haben sich nun zu einer Sammelklage zusammengeschlossen, aber es erscheint unwahrscheinlich, daß sie ihr Geld jemals wiedersehen werden (jackmyers.com hat einen ausführlichen Bericht über den Fall von Ginko).
Als Reaktion auf diese Vorfälle haben Linden Labs gestern beschlossen, daß alle Bankaktivitäten von nicht behördlich registrierten Finanzunternehmen nun geschlossen werden:
“As of January 22, 2008, it will be prohibited to offer interest or any direct return on an investment (whether in L$ or other currency) from any object, such as an ATM, located in Second Life, without proof of an applicable government registration statement or financial institution charter…
Usually, we don’t step in the middle of Resident-to-Resident conduct – letting Residents decide how to act, live, or play in Second Life. But these “banks” have brought unique and substantial risks to Second Life, and we feel it’s our duty to step in…“
Offensichtlich müssen doch manchmal Benutzer vor sich selber geschützt werden. Allerdings wird nach der Bitte von Linden Labs “We ask that between now and then, those who operate these “banks” settle up on any promises they have made to other Residents and, of course, honor valid withdrawals” wohl nun das Chaos und der Auszug der Nepper losbrechen: niemand kann Second Life Einwohner mit betrügerischer Absicht dazu zwingen, Gelder tatsächlich auszuzahlen, statt sich nun einfach damit aus dem Staub zu machen. Selbst honorable Unternehmen werden es mehr oder weniger unmöglich finden, innerhalb von knapp 2 Wochen tausende von offenen Zahlungen im Gesamtwert von zehntausenden oder hundertausenden Dollar zu begleichen.
Bislang gibt es keine Kommentare zu diesem Eintrag.